„Es ist was faul im Staat und in der Stadt“:

Soziale Liste fordert Maßnahmen gegen die wachsende Kinderarmut

Es ist höchste Zeit für einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel, um Armut zu  bekämpfen und eine Verringerung sozialer Ungleichheit zu erreichen. Das fordert die Soziale Liste Bochum.

Nach dem Armutsbericht der Wohlfahrtsverbände hat nun erneut eine Untersuchung (Bertelsmann-Stiftung) eine anwachsende Kinderarmut bundesweit aber auch in Bochum festgesellt. Fast 13.000 der unter 18jährige sind in Bochum im Hartz IV-Bezug, davon sind allein 54 % unter 6 Jahre alt. Das Hauptrisiko für Armut, so die aktuelle Bertelsmann-Studie, liegt bei alleinerziehenden Familien und Kindern die mit zwei und mehr Geschwistern aufwachsen.

Beide Studien zeigen, dass das Aufwachsen in Armut schwerwiegende Folgen hat:

  • Arme Kinder leben oft in schlechteren und beengten Wohnverhältnissen die ihre Entwicklung beeinträchtigen.
  • Arme Kinder sind stärker als andere in ihrer körperlichen- und gesundheitlichen Entwicklung eingeschränkt.
  • Arme Kinder sind von der sozio-kulturellen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen und weisen häufiger Defizite hinsichtlich ihres Spiel- und Lernverhaltens, ihrer Sprachkompetenz und ihrer Einbindung in das soziale Umfeld auf.
  • Arme Kinder haben schlechtere Chancen einen guten Bildungsabschluss zu erreichen und eine Ausbildung zu finden.

Aus Sicht der Sozialen Liste werden durch die derzeitigen Hartz IV-Regelsätze und Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien nicht ausreichend gewährleistet. Es fehlt den Kindern und Jugendlichen häufig an Dingen, die für andere Kinder selbstverständlich sind: eine gesunde Ernährung, ausreichend Winterkleidung, Platz und Raum für Entfaltungsmöglichkeiten. Die Schulpolitik (große Klassen, geringe Förderung) trägt zur Benachteiligung bei.

Auch die vielen Erfolgsberichte zur wirtschaftlichen Entwicklung und hohen Steuereinnahmen haben das Gegenteil von einem Rückgang der Armutsquote bewirkt. Im Gegenteil, mit fast 10 Milliarden € subventioniert der Staat (Bundesagentur für Arbeit) jährlich Niedriglöhne von Unternehmen. Trotz Arbeit eines Erwerbstätigen verbleiben so rund 1 Mio. „Bedarfsgemeinschaften“ im entwürdigen Hartz IV-Bezug.

„Vor allem Alleinerziehende, Familien mit mehreren Kindern und Familien mit Migrationshintergrund, die in besonderem Maße von Armut betroffen sind, brauchen mehr Unterstützung als bisher. Notwendig ist es, eine Kindergrundsicherung zu schaffen, die die Kinder nicht als kleine Erwachsene betrachtet, sondern ihre soziale Situation in den Mittelpunkt stellt“, fordert Günter Gleising, Ratssprecher der Sozialen Liste.

Die Stadt Bochum ist zudem gefordert eigene Anstrengungen gegen die Kinderarmut zu unternehmen. Die zahlreichen Rotstiftmaßnahmen im Sozial- Kinder- und Jugendbereich waren und sind kein Beitrag gegen die Armutssituation.